Familien-Partei: Beim Sylter Geburtshaus steht der Staat in der Pflicht!

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Geboren auf Sylt: Landesvorsitzende Kirsten Bollongino und Europaabgeordneter Arne Gericke kritisieren Widerstand der großen Parteien / Alle Geburtskliniken in SH erhalten – Landesförderung für freie Hebammen / EU-Mittel fürs kommunale Geburtshaus

WESTERLAND. Heftige Kritik an SPD und CDU in Sachen „Geburtshilfe auf Sylt“ üben Kirsten Bollongino, Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin der Familien-Partei sowie der Europaabgeordnete Arne Gericke. Letzterer ist inzwischen ein Experte in Sachen „sichere Geburt“ und verfolgt die Problematik bundesweit: „Das Sterben der Geburtshilfe erleben wir landauf, landab – in Insellage aber ist das von besonderer Brisanz“. Aus diesem Grund halten er und Bollongino auch „die Staatsregierung für gefordert: Wohnortnahe Geburtshilfe muss öffentliche Daseinsvorsorge und Grundversorgung sein – so wie Schulen, Feuerwehr und Müllabfuhr. Keiner käme auf die Idee, das auf Sylt einzusparen.“ Dass der Asklepios-Konzern seine Geburtsklinik aus ökonomischen Gründen geschlossen habe, „ist die späte Ohrfeige für eine bundesweit vollkommen fehlgeleitete Privatisierungspolitik im Gesundheitssektor“. Gemeinsam fordern Gericke und Bollongino deshalb das gemeinsame Eingreifen von Land und Kommunen: „Denkbar wäre ein eigenes, kliniknahes und von Hebammen geführtes Geburtshaus – getragen von den Kommunen, gefördert vom Land. Dafür wären sogar EU-Mittel möglich.“ Selbst ein genossenschaftliches Modell hält die Familien-Partei „für denkbar“.

Bollongino und Gericke kontern damit der ablehnenden Positionen von Spitzenvertretern der SPD und CDU auf Sylt: „Wer sagt, das ganze müsse sich auch rechnen, der tritt die Rechte und Bedürfnisse gebährender Mütter mit den Füßen“, so Gericke. Noch brisanter werde das Thema aus dem Blickwinkel der „Urlaubsregion Sylt: Viele Hochschwangere verlassen sich auch im Urlaub auf eine garantierte, erreichbare Versorgung und Geburtshilfe – und gerade die nordfriesischen Inseln mit ihrem erfrischenden, gesunden Klima sind ein beliebtes Reiseziel für den letzten Urlaub vor der Geburt“, so Bollongino: „Die Geburtshilfe dort einfach so vom Tisch zu wischen, jede Widerrede als übertrieben abzutun, ist eine politische Frechheit.“ Das, so Gericke, gelte auch für die ablehnende Haltung des Landes gegenüber des Bürgerbegehrens „Zukunft. Grundversorgung.“

Ein Angebot des Asklepios-Konzerns auf „eigenständige Weiterführung“ der Geburtsstation aufgreifend, empfiehlt der Sozialpolitiker, „neue Wege zu gehen: Ich weiß aus einer eigenen Parlamentarischen Anfrage, dass die EU-Förderung kommunaler Geburtshäuser möglich ist. Ein solches in Anbindung an die Nordseeklinik zu errichten, würde zumindest alle Nicht-Risikogeburten wohnortnah, auf der Insel ermöglichen.“ Um die entsprechende Anzahl an Hebammen auf die Insel zu bringen, bedürfe es zur Not einer „regionalen Zusatzförderung nach Schweizer Vorbild: Dort zahlen Kommunen den Hebammen ein sogenanntes Wartegeld.“ Wahlweise könne dies auch das Land übernehmen. Und selbst um die von der politischen Konkurrenz immer wieder ins Spiel gebrachten, zu niedrigen Geburtenzahlen auf Sylt macht Gericke sich keine Sorgen: „Ich bin mir sicher: Sylt kann sogar mit dem Label ‚Sicher Geboren auf Sylt‘ werben und zusätzliche Geburten locken – wenn die Voraussetzungen stimmen.“

Insgesamt, so Bollongino, „ist es Ziel der Familien-Partei, alle bestehenden Geburtskliniken in Schleswig-Holstein zu erhalten – auch die von Schließung und Abbau betroffenen Stationen in Eckernförde und Rendsburg.“Arne GERICKE

Author: gericke