Gericke appelliert an EU-Kommission: „Wir müssen den Wolf auch wieder schießen dürfen!“

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Populationsentwicklung bringt Probleme: Europaabgeordneter der Freien Wähler will regionale „Obergrenzen“ – 600 Tiere bundesweit / Schutzstatus: Änderungen an europäischer FFH-Richtlinie gefordert / Staat soll Kosten für Wolfsschutz tragen

BRÜSSEL/BAD WILDBAD. Dutzende blutige Schafkadaver im Wald, halbtote Tiere, die auf der Wiese zucken – das Bild, das sich den Schäfern nach der Wolf-Attacke im baden-württembergischen Bad Wildbad bot, ist schrecklich und lässt die Debatten um den Wolf in Deutschland neu entflammen. „Der Schutz der Weidetiere hat oberste Priorität“, sagt der Europaabgeordnete Arne Gericke (FREIE WÄHLER). Als Mitglied im Umweltausschuss des Europaparlaments fordert er eine „regionale Obergrenze“ für Wolfsrudel sowie die Absenkung des in der FFH-Richtlinie geregelten EU-Schutzstatus: „Die Entnahme einzelner Wölfe muss möglich sein“, so der Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern. Dort verzeichnet man mit mindestens vier Wolfsrudeln, mehreren Wolfspaaren und einigen Einzelgängern die höchste Wolfsdichte deutschlandweit – mit den entsprechenden Folgen: Über 500 Tiere hat Meister Isegrim 2017 in Deutschland getötet, alleine 70 davon in MV.

Man müsse, so Gericke, „eine sachliche und besonnene Debatte führen“, dürfe sich allerdings auch keiner verträumten Naturromantik hingeben: „Wölfe sind Top-Predatoren – also ohne natürliche Feinde an der Spitze der Nahrungskette. Darauf muss man in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft wie Deutschland Rücksicht nehmen – sonst kommt es zu Problemen“, sagt Gericke. Seiner Ansicht nach ist in Deutschland insgesamt der in der FFH-Richtlinie formulierte Status einer „stabilen und ausreichend großen Wolfspopulation“ erreicht: „Der besondere Schutz der Tiere nach Anhang IV der Richtlinie ist überholt – die unbürokratische Entnahme einzelner Tiere muss möglich sein.“

Gemeinsam mit den Wolfsbetreuern, Jagdverbänden sowie den Schafzuchtvereinigungen solle ein Managementkonzept in den Ländern erarbeitet werden: „Ich bin sicher, wir können ein friedvolles Miteinander von Wolf, Nutztierzucht und Mensch in Deutschland garantieren – wenn wir es regulieren dürfen“. Dabei gehe es auch gar nicht um Panikmache oder ein negatives Brandmarken des Wolfes: „Ich sehe das sehr nüchtern. Aber wenn ich abwägen muss zwischen existenzgefährdenden Schäden bei den Schäfern, dutzenden toten Weidetieren und einem Wolf, dann weiß ich, zu wem ich letztlich tendiere.“

Technisch hält er „regionale Obergrenzen“ für sinnvoll: „Sind diese überschritten, wird gemeinsam mit den Behörden ein Management-Plan in Gang gesetzt, der die Populationskontrolle bei den Wölfen nachhaltig reguliert.“ Dies könne regional sehr unterschiedlich sein: „Wo im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern vielleicht noch zwei, drei Wolfsrudel nebeneinander existieren können, ist in machen dicht besiedelten Gegenden schon ein Einzeltier zu viel. Deutschlandweit hält Gericke eine „Wolfsobergrenze“ von 600 Tieren für sinnvoll – alles Weitere überfordere das Land. Darauf müsse man auch reagieren können – und brauche die entsprechende gesetzgeberische Flexibilität durch die EU.

In einem Schreiben an den zuständigen EU-Umweltkommissar Karmenu Vella fordert er Maßnahmen zur entsprechenden Korrektur des EU-Schutzstatus für Wölfe: „Es geht nicht darum, die Tiere nach ihrer Wiederkehr wieder vollständig auszurotten – im Gegenteil.“ Wer die geregelte Rückkehr des Wolfes nach über hundert Jahren fördern will, muss ein Regulativ zulassen: Das Deutschland von 2018 ist nicht mehr das Deutschland von 1904 – nicht für uns, nicht für den Wolf.“

Gericke fordert zudem, die Schäden eines Wolfsrisses sowie die Kosten der Schutzmaßnahmen zu 100 Prozent durch den Staat erstatten: „Es kann nicht sein, dass der Schäfer auf den zusätzlichen Kosten sitzen bleibt. Wer den Wolf will, muss auch für seine Schäden aufkommen und den Schutz davor – das ist das Mindeste“.Engagiert im Plenum: Europaabgeordneter Arne Gericke.