Gericke: Menschen brauchen die Apotheke ums Eck!

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Europaabgeordneter plädiert im Europaparlament für mittelstandsfreundliche Gesundheitspolitik / „online-Handel ist kein Allheilmittel – das Internet macht keinen Notdienst“ / Günstiger einkaufen durch grenzübergreifende Bestellungen

BRÜSSEL/SCHWERIN. „Während wir hier sitzen und diskutieren, sind sicher Millionen Menschen in Europa froh, die kleine Apotheke im Dorf oder ums Eck zu haben“ – mit klaren Worten hat sich Arne Gericke, Europaabgeordneter der Familien-Partei und Sozialexperte der drittstärksten EKR-Fraktion im Europaparlament für den Erhalt eines engmaschigen Apotheken-Netzes und Einschränkungen beim online-Handel ausgesprochen. Hintergrund war eine Fachtagung der europäischen Denkfabrik „SMEeurope“ im Brüsseler Europaparlament. Gerade aus seiner Heimatregion Mecklenburg-Vorpommern kenne er das Problem lückenhafter Medikamentenversorgung: „Wer mit einem fiebernden Kind zu Hause sitzt, braucht das Fiebersirup schnell – und nicht online binnen Tagen“, so Gericke. „Kein online-Anbieter macht Notdienste oder bietet persönliche Beratung.“ Erhebliches Sparpotential dagegen sieht Gericke in grenzübergreifender Bestellung: „Die Medikamentenpreise für denselben Wirkstoff sind europaweit oft höchst unterschiedlich. Hier kann Europa konkret sparen helfen.“

Mit seinem Appell unterscheid Gericke sich dabei von vielen anderen Rednern, die im online-Handel eine große Chance sahen: „Die online-Apotheke ist Realität – aber sie ist kein Allheilmittel. Im Gegenteil: Sie bereitet vielen Menschen Bauchschmerzen – und stellt unsere flächendeckende Medikamentenversorgung, wie wir sie in Deutschland und den meisten EU-Ländern kennen, in Frage. Das darf nicht sein“. Scharfe Kritik übte Gericke an einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes von Mitte Oktober, in dem er – gegen ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts – beschlossen hat, „dass ausländische Versandapotheken, und nur diese, sich nicht mehr an die Arzneimittelpreisbindung halten müssen. Das bedeutet eine unsägliche Wettbewerbsverzerrung, die vielen unserer familiengeführten, mittelständischen Apotheken wirtschaftlich das Genick bricht.“

EU-weit, so Gericke, brauche der online-Handel mit Medikamenten deshalb starke Regulierung und klare Vorgaben. Entschlacken dagegen solle die EU bei vielen Vorgaben, die Apotheker und Zwischenhandel unnötig belaste. Die ohnehin anstehende Novellierung einiger Richtlinien biete dafür im kommenden Jahr gleich mehrfach Gelegenheit: „Wir werden hier in Brüssel die Zukunft der kleinen Apotheke in Gadebusch, Plau am See, Friedland oder Marlow sicher nicht alleine retten – aber wir können einiges tun, damit sie bessere Chancen hat“, so Gerickes anschauliches Beispiel beim Brüsseler Kongress.

Der Markt, so Gericke, brauche auch in Zukunft „starke mittelständische Strukturen. Im Grunde gehört die Apothekerfamilie untrennbar zur Apotheke um die Ecke. online-Anbieter und internationale Ketten würden all das nicht bieten. Hier geht es auch um Patientensicherheit. Es geht um die dringenden Anliegen von Familien, von Älteren und Pflegebedürftigen. Es geht um die gesunde Einkaufsstruktur kleinerer Städte.“

All das will Gericke auch von Europa aus stärken – und trotzdem sparen: „Wir nutzen lange noch nicht das Potential, das uns der europäische Binnenmarkt bietet. Kopfschmerztabletten gibt‘s nicht Will auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene mehr als nur "Trostpflaster" für die kleineren Apotheken: Europaabgeordneter Arne Gericke kämpft für eine flächendeckende Arzneimittelversorgung, gerade auf dem Land.nur vom deutschen Hersteller. Wer den Wirkstoff in anderen Ländern bestellt, kann viel Geld sparen. Die EU sollte den Apothekern helfen, das mehr als bisher tun zu können.“

Author: gericke