Mittendrin: Zoe zaubert ein Lächeln für das Europaparlament

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Europaabgeordneter überrascht 6jährige: Stargast im Plenarsaal / Fotoausstellung zu Downsyndrom und Inklusion initiiert

DISSEN/STRASSBURG. „Manche Geschichten im Leben lesen sich wie ein Märchen“, sagt Kathrin Grunert und blickt stolz auf ihre 5jährige Tochter Zoe, die gerade auf einem Abgeordnetenstuhl im großen Plenarsaal des Europaparlaments kniet und sich von Arne Gericke, Europaabgeordneter der FREIEN WÄHLER, die Mikrofonanlage erklären lässt. „Eigentlich ist das Plenum strikt Abgeordneten vorbehalten – aber davon lassen wir zwei uns nicht stören“, erzählt er und schmunzelt. Gericke war es, der Zoe und ihre Familie nach Straßburg eingeladen hatte – aus einem eher traurigen Grund: Vor knapp einem Jahr wurde Zoes Therapiebuggy aus dem Hausflur gestohlen, die lokale Presse hatte darüber berichtet. „Ich bin spät abends durch Zufall auf einen der Artikel gestoßen und hab mir gedacht: Ich schreib Zoe einen Brief, muntere sie auf.“ Gesagt, getan: Tags drauf war der Umschlag im Briefkasten – verbunden mit der Einladung nach Straßburg. Jetzt hat Gericke sein Versprechen wahr gemacht – und Zoes herzliches Lachen das Parlament begeistert.

„Dein Platz ist mittendrin! Und weil ich davon überzeugt bin, möchte ich dich einladen: Komm doch mit deiner Familie nach Straßburg ins Europaparlament. Ich lade euch ein – und wir gehen dann gemeinsam in den Plenarsaal. Das ist ein Ort, an den sonst nur Abgeordnete dürfen – und du, liebe Zoe. Denn du bist etwas ganz Besonderes!“ – so hatte Gericke es in seinem Brief geschrieben. Mutter Kathrin erinnert sich: „Als der Brief in Haus flatterte, konnte ich es zunächst gar nicht glauben, habe Zoe den Text einfach vorgelesen.“ Wenige Tage später dann der Anruf aus Brüssel – Gerickes Büro: Man wolle nur nachfragen, ob der Brief angekommen sei und einen Termin vereinbaren, wenn es der Familie passe.

Wenige Monate später ist es soweit. Kathrin Grunert und Zoe packen ihre Koffer, Oma Vera und Bruder Noah sind dabei. Angekommen in Straßburg dann der erste Aufreger: Zoe verliert einen wackeligen Milchzahn – ihrem Lächeln aber tut das keinen Abbruch. Freudig gespannt fahren die Grunerts zum Europaparlament. Ein großer Bau – Zoe staunt, ihre Familie nicht weniger. Im beeindruckenden Innenhof wartet bereits Arne Gericke, nicht weniger gespannt: „Ich hab mich auf Zoes Besuch wirklich gefreut, war selbst etwas nervös“, gesteht der Abgeordnete, selbst siebenfacher Familienvater. Und so dauert es auch keine zwei Minuten, bis das Eis zwischen ihm und dem kleinen Ehrengast gebrochen ist: Nach einem herzlichen „high five“ geht‘s hinein in das Europaparlament. Kathrin Grunert ist begeistert: „Arne hat sich richtig viel Zeit genommen, Zoe und uns noch den letzten Winkel des riesigen Gebäudes gezeigt – inklusive einer Limonade im Abgeordnetencafe.“

Höhepunkt der Führung war dann aber Gerickes Versprechen: Der Besuch im Plenarsaal, eindrucksvoll untergebracht in einer dominanten Holzkugel im Zentrum des Parlamentsgebäudes. Der Abgeordnete nimmt Zoe bei der Hand – ein kurzer Dialog mit den Sicherheitskräften, ein Schmunzeln und schon verschwinden der Abgeordnete und seine neue Junior-Kollegin Zoe hinter der dicken Türe des Plenums. Ihre Familie verfolgt den Auftritt von der Tribüne. Und Zoe lässt keinen Zweifel: Sie hat das Zeug zur Abgeordneten. Zielstrebig geht sie mit Arne Gericke zu dessen Platz, klettert schnell auf den etwas klobigen, blauen Plenarsitz, testet das kleine schwarze Mikrofon. Wieder nimmt der Abgeordnete sich viel Zeit, erklärt Zoe alles, zeigt ihr den Sitz des Präsidenten, die Kameras, selbst das Abstimmungsgerät am Platz der die Jungparlamentarierin testen.

Damit aber nicht genug. Einen weiteren Tag noch dürfen die Grunerts in Straßburg bleiben – und noch einmal ist Zoe der Star: Als weitere Folge des Briefes hatte sich der Kontakt zwischen Arne Gericke und der Mönchengladbacher Fotografin Monika Plump-Bleck ergeben. Seit Jahren portraitiert sie Kinder mit Downsyndrom – unter ihnen Zoe. Entsprechend schnell geboren war die zweite Idee: Eine Fotoausstellung. Sie hatte in Straßburg Premiere, soll nun durch Deutschland touren. Und zur Vernissage im Parlament geladen war nicht nur Zoe. Über 20 Kinder und Jugendliche mit einem Downsyndrom waren gekommen, Zoe Grunert mittendrin: Souverän zeigt sie den anderen das Haus, tollt freudig durch die Gänge, zaubert ein Lachen aufs Gesicht der vorbeieilenden Parlamentarier. „So eine Lebensfreude – da können wir uns eine Scheibe abschneiden“, sagt einer und hetzt zur nächsten Sitzung.

Zoe und ihre Freunde dagegen bleiben an dem Abend noch lange im Parlament, immer wieder tönt Kinderlachen durch die Gänge. Erst spät kehren die Grunerts zurück ins Hotel. Todmüde schläft Zoe ein – in ihrer Hand der Zugangsausweis zum Europaparlament. Den, da ist sich Kathrin Grunert sicher, wird sie sicher lange behalten. So wie die vielen Eindrücke des Besuches: „Ich muss zugeben, ich habe in den vergangenen zwei Tagen die Politik und Europa in einem anderen, einem menschlichen Licht erlebt – und ein großes Stück Vertrauen zurückgewonnen.“