Problemfall Kinzigtal: Perspektiven für Hebammen im ländlichen Raum entwickeln!

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Arne Gericke: Engagiert.Brüsseler Unterstützung für Hebamme Yvonne Bonadio und Verein mother-hood: „Kinzigtal kein Einzelfall“ / Plädoyer für Wartegeld und „kommunale Geburtshäuser“

WOLFACH/BRÜSSEL. „Im Kinzigtal wird es langsam brenzlig für Schwangere“ – sagt der Ortenauer Regionalverband der Elterninitiative „mother-hood“ nach der Praxisaufgabe der Wolfacher Hebamme Yvonne Bonadio. Unterstützung kommt nun aus dem Europaparlament: „Die Situation im Kinzigtal ist kein Einzelfall, die Entwicklung der Geburtshilfe in ganz Deutschland zunehmend besorgniserregend“, sagt Arne Gericke, Europaabgeordneter der Familien-Partei und Sozialexperte der drittstärksten Fraktion im Europaparlament. Als solcher verfolgt er die Entwicklung mit Sorge – und benennt Alternativen: „Europaweit können wir lernen, dass es auch anders funktioniert.“ Ein Grund, warum Gericke am 28. September erstmals den „Europäischen Tag für die sichere Geburt“ initiiert. Und auch für Wolfach hat er Vorschläge: „EU-Mittel für ein kommunales Geburtshaus wären möglich, „Wartegeld“ nach Schweizer Vorbild denkbar und die Teilanstellung einer kommunalen Beratungshebamme eine Option“, so der Abgeordnete.

Schon im Juli hatte Gericke sich eingeschalten, als es um die Schließung der Geburtenstation im nur 70 Kilometer entfernten Bühl ging: „Die Nähe der ‚Einschläge‘ und ihre enge zeitliche Folge bestätigen meinen Eindruck – die politisch Verantwortlichen machen sich gerade zu Totengräbern der Geburtshilfe. Und immer heißt es, die nächste Geburtenstation oder Hebamme sei angeblich noch immer in zumutbarer Nähe. Der Protest bleibt oft lokal. Dabei haben die Aktiven von mother-hood vollkommen recht: Ihr Hilferuf ist keine Panikmache. Deutschland ist auf dem besten Weg, die sichere Geburt aufs Spiel zu setzen“, so Gericke. Entscheidend seien dabei drei negative Parallelentwicklungen: „Unzumutbare Rahmenbedingungen, die freie Hebammen zum Aufgeben zwingen, Kliniken, die ihre Geburtenstationen nur unter ökonomischen Gesichtspunkten sehen und eine Politik, der der ‚Masterplan Geburtshilfe‘ für Deutschland fehlt“. Genau den hat Gericke bereits im Frühjahr im Entwurf vorgelegt: „Es ist nicht so schwer, etwas für die Sicherung der Geburtshilfe und das Recht auf eine sichere Geburt zu tun – auf allen politischen Ebenen.“

Bestätigt fühlt sich Gericke dabei durch den europäischen Dialog: „Es gibt viele Beispiele, wie es anders gehen kann“, so der Abgeordnete. So hat er selbst bei der EU-Kommission angefragt, ob EU-Fördermittel für die Einrichtung kommunal getragener, hebammengeführter Geburtshäuser verwendet werden dürften. Klare Antwort aus Brüssel: Ja! Und nach Ansicht Gerickes „genauso eine überdenkbare Option für das Kinzigtal wie die Zahlung zusätzlicher „Wartegelder“ nach Schweizer Modell oder aber die Anstellung einer (inter)kommunalen Beratungshebamme in Teilzeit. „Ganz abgesehen von den dringend notwendigen Änderungen auf Bundesebene – allen voran der kaum mehr tragbaren Berufshaftpflicht für Hebammen“.

„Nichts tun“, so Gericke, „ist jedenfalls keine Alternative“. Immerhin gehe es auch um die demografische Zukunft der Region: „Wo Geburtshilfe fehlt, werden auch keine Kinder geboren – ein klarer Standortnachteil für das gesamte Kinzigtal.“

Author: gericke