Verspätung im Minutentakt – Europa für bessere Fahrgastrechte

Europäisches Parlament stimmt für verbesserten Verbraucherschutz für Fahrgäste. Höhere Rückerstattung und transparentere Aufklärung. Abgeordneter Gericke: „Probleme der Bahn dürfen nicht auf Fahrgäste abgewälzt werden.“

Es ist ein kleiner unscheinbarer brauner Umschlag – aber für viele Reisende in Europa ist es ein großes Stück Rechtssicherheit: Die Rede ist vom Fahrgastrechtformular. Damit kann jeder Fahrgast seinen Ticketpreis – zumindest teilweise – zurückverlangen, falls die Bahn wieder mal zu spät kommt. Dies geschieht in letzter Zeit leider immer häufiger: Technische Störungen, marode Züge und regelmäßige Verspätungen auf Langstrecken trüben leider zu oft das Fahrvergnügen.

Für den Europaabgeordneten von Bündnis C und Vielfahrer Arne Gericke ist das ein Ärgernis: „Mir tut es wirklich weh, wenn ich sehe wie die deutsche Infrastruktur – und dazu zähle ich die Deutsche Bahn – immer weiter kaputt gespart wird. Im jüngst veröffentlichten Cum-Ex Skandal wurden erst bekannt wie Konzerne und Superreiche über 30 Milliarden Steuern hinterziehen. In der Infrastruktur fehlt dann das Geld“, stellt Gericke klar.

Aber die Bahn leidet nicht nur unter Sparmaßnahmen, sondern auch unter Missmanagement wie in einem Brief innerhalb des Vorstands bekannt wurde. „Hier muss die Bahn einfach mehr leisten, und wir als Abgeordnete stellen uns klar auf die Seite der europäischen Verbraucher.
„Es darf nicht sein, dass all die Probleme auf die Fahrgäste abgewälzt werden“, so Gericke.

Aus diesem Grund hat das Parlament diese Woche die Stärkung von Fahrgastrechten verabschiedet. Noch müssen die Mitgliedstaaten zustimmen, aber nach Willen der Abgeordneten muss die Bahn in Zukunft noch stärkere Rechte bei Verspätungen einräumen. So soll der Fahrpreis bereits ab einer Stunde um 50 Prozent erstattet werden, zurzeit sind es lediglich 25 Prozent, ab zwei Stunden soll der Fahrgast sogar seinen kompletten Fahrpreis zurückerhalten.

Außerdem muss die Bahn ihre Fahrgäste noch besser auf die Regelung hinweisen. „Noch nehmen zu wenige Menschen ihre Rechte wirklich in Anspruch. Kein Wunder, meistens erhält man das entsprechende Formular nur auf Nachfrage – das tun die wenigstens – und nicht alle wissen überhaupt davon. Das müssen wir ändern“, fordert Arne Gericke und freut sich über das eindeutige Ergebnis. Zu hoffen bleibt nur, dass das neue Gesetz im sogenannten Ministerrat nicht blockiert wird. Gerade Deutschland stimmt hier oft im Sinne der Wirtschaft und nicht der Verbraucher. „Mein Team und ich werden den Prozess im Auge behalten und weiter kritisch begleiten“, verspricht Gericke. „Ich habe schon immer für ein Europa gekämpft, in dem die Rechte der Bürger höher stehen als Konzerninteressen, so auch in diesem Fall.“

Menü