Gericke: Europas Fußball braucht fairplay für seinen zwölften Mann!

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Plakat-Eklat in Anderlecht: Europaabgeordneter kritisiert Verfahren der UEFA gegen Bayern / Schreiben an EU-Sportkommissar: Rolle des Fans im Europäischen Sportmodell

BRÜSSEL/ANDERLECHT. „Kriegt ihr den Hals nicht voll?“ – ein von enttäuschten Bayern-Fans gegen die überhöhten Ticketpreise im Stadion Anderlecht gezeigtes Plakat mit diesem Slogan schlägt inzwischen hohe Wellen in der Fußballwelt. Die UEFA ermittelt gegen den FC Bayern, wirft den Fans ein „unerlaubtes Banner“ vor. Wenig von dem Vorgehen hält der Europaabgeordnete Arne Gericke: „Verhaltensregeln für Fans sind wichtig und als Rostocker weiß ich, wie wichtig eine klare Kante gegen Gewalt und Radikalisierung ist. Meinungsfreiheit aber muss es auch in europäischen Fußballstadien geben dürfen. Und wenn man heute 100 Euro für eineinhalb Stunden Stehplatz bezahlt, nur damit morgen wieder Millionen Euro über die Ladentheke des Spielertransfers gehen können, dann ist das unanständig und jede Kritik wehrt“, so Gericke in einem Schreiben an EU-Sportkommissar Tibor Navracsics. Ihn bittet der Abgeordnete, „das Verhalten der UEFA vor der Selbstverpflichtung zum ‚Europäischen Sportmodell‘ zeitnah politisch zu  kommentieren: Der Fan ist und bleibt der zwölfte Mann am Feld.“

Gericke selbst war von betroffenen Fans auf den Vorfall aufmerksam gemacht worden und hat umgehend reagiert: „Zunächst ist das sicher ein interner Fall der UEFA – trotzdem hat er eine allgemeine politische Dimension: Es geht um Meinungsfreiheit und den Respekt vor der Fan-Gemeinde.“ Beides müsse auch seinen Platz im europäischen Profi-Sport behalten: „Die UEFA ist ein Unternehmen – kein Gott. Auch sie muss mit Kritik der ‚Kunden‘ umgehen. Und ich kann nicht erkennen, was die gezeigten Plakate zu ‚unerlaubten Bannern‘ gemacht hätte, so Gericke an Navracsics. Zudem profitiere auch der Profi-Fußball – etwa beim Stadion-Bau oder polizeilichen Absicherung der Spiele – von öffentlichen Steuergeldern. „Da sind faire Preise und ein gesundesMaß an Selbstkritik angebracht.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Europaabgeordnete sich zum europäischen Fußball äußert. Schon 2014 hatte er in einer Parlamentarischen Anfrage an die EU-Kommission die Idee einer europäischen Expertengruppe aufgegriffen und die Einführung einer EU-Zusatzabgabe auf die millionenschweren Spielertransfers gefordert, um daraus die Jugendarbeit der Amateurclubs in Europa zu fördern. 2016 war Gericke einer der Abgeordneten, die in einem Brief an die UEFA-Spitze die Entscheidung kritisierten, den Fußballern bei der Ehrenrunde nach dem Spiel das Mit- oder Hinzunehmen der eigenen Kinder zu verbieten.

Und auch im aktuellen Fall geht es Gericke darum, „einen Impuls zu geben: Die UEFA soll sich wieder bewusst machen, welche Rolle dem Fan zukommt. Sie machen Fußball zum Erlebnis – und nicht der Großkonzern in der VIP-Loge.“ In einem zweiten Schreiben dankt Gericke deshalb auch Bayern-Trainer Jupp Heynckes für dessen Solidarität mit den Fans: „Ein Trainer weiß ganz offensichtlich noch weit mehr als die Funktionäre, wie entscheidend der zwölfte Mann im Spielfeld ist.“Hat im Banner-Streit von Antwerpen um ein klares Bekenntnis für faire Preise, Meinungsfreiheit und den Fan im Fußball geworben: Europaabgeordneter Arne Gericke zusammen mit EU-Sportkommissar Tibor Navracsics.