Gericke kontert EU-Plastikstrategie: Flaschenpfand statt Strohhalm-Stopp!

Reaktion auf „Plastikstrategie“: Offener Brief an EU-Umweltkommissar / Große Probleme, angemessene Mittel: “Nicht wie Don Quichotte gegen Wattestäbchen” / Deutsches Einwegpfand als Vorbild

BRÜSSEL/BERLIN. Ein Verbot von Plastikgabeln, Strohhalmen, Wattestäbchen und Luftballonstäbchen – beinahe detailverliebt widmet die EU sich in ihrer heute veröffentlichten Plastikstrategie der zunehmenden Vermüllung der Meere durch Kunststoffabfälle oder Mikroplastik. Kritik dafür kommt vom Europaabgeordneten Arne Gericke: „Sie wiederholen die typischen Fehler, verlieren sich im bürokratischen Klein-Klein“, so der Umweltpolitiker in einem offenen Brief an EU-Umweltkommissar Karmenu Vella: „Ich bin mir sicher – egal ob wir nun entlang maltesischer Strände wandern oder an der Ostsee sitzen: Die Zahl der angeschwemmten Luftballonstangen, Wattestäbchen und Plastikgabeln wird sich in Grenzen halten. Was augenscheinlich im Wasser treibt, sind Plastikflaschen und Getränkedosen. Das ist in den Straßen der Großstädte und entlang der Autobahnen nicht anders. Dem müssen wir uns widmen“, schreibt Gericke. Sein Vorschlag: Ein europaweites Einwegpfand nach deutschem Vorbild – „wir können das eins zu eins übernehmen. Es funktioniert.“

Dabei, so der Europaabgeordnete, wisse er durchaus „um die innerdeutsche Kritik am Einwegpfand-System und die Verdrängung der Mehrwegflasche“. Dies aber käme „in den allermeisten EU-Ländern nicht zum Tragen: Überall beherrschen ohnehin Einwegflaschen den Markt. Das muss man nicht gut finden, aber das ist die Realität.“ So bekomme er an als Europaabgeordneter „weder in Brüssel noch in Straßburg wirklich Pfandflaschen. Es gibt nur Einwegplastik oder Dosen.“ Sie seien denn auch – abgesehen von den ausufernden coffee-to-go-Bechern – das „Grundübel der Vermüllung in Straßen, Parks, entlang der Autobahnen“. Ihnen müsse man sich widmen, wenn man die Plastikflut wirklich bekämpfen wolle – „und nicht wie Don Quichotte gegen Wattestäbchen und Plastikgabeln wettern“.

Eine funktionierender Lösungsweg sei dabei „made in Germany: Kopieren Sie einfach unser deutsches Einwegpfand europaweit.“ Die Recyclingquote für Plastikflaschen habe damit zuletzt bei rund 98 Prozent gelegen: „Übertragen auf Europa lägen dann von 100 nur noch zwei Flaschen am Strand – das wäre ein Riesenerfolg.“ Und ein anwendbares System: „Die Technik ist die, die Erfahrungen auch – selbst die gesetzlichen Grundlagen könnte man eins zu eins aus Deutschland kopieren“, so Gerickes Anregung an den Umweltkommissar. Ein gesunder, gewünschter Nebeneffekt für den Europaabgeordneten: „Deutschland hat die gesetzlichen Grundlagen bereits und kann nicht – wie sonst üblich – nochmal bürokratisch draufsatteln.“ Und für alle Flaschen, die dennoch in der Umwelt landen, erhofft Gericke sich einen weiteren Effekt: “Sie werden hoffentlich einen Sammmler finden, der sie zum nächsten Automaten trägt und dafür in glänzenden Cent belohnt wird.”

Von den Überlegungen der EU-Kommission zur „Plastikstrategie“ dagegen verspricht der Umweltpolitiker „großen Aufwand, wenig Wirkung“. Zudem bleibe der „bittere Beigeschmack, die von Oettinger ins Spiel gebrachte Plastiksteuer dient nur dem Füllen des eigenen Haushalts und nicht dem Leeren der wilden Müllhalden“. Und auch die Ankündigung Vellas, man werde mit den Steuern nicht die Verbraucher belasten, ist für Gericke “eine volkswirtschaftliche Milchmädchenrechnung: Sie brauchen doch nicht glauben, dass ein europäischer Hersteller diese Mehrkosten selbstlos aus der eigenen Kasse bezahlt – natürlich wird das auf die Vebraucher umgelegt.”

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