Gericke warnt: Europa nimmt unserem Theater das Rampenlicht!

Problematische Ausweitung der Ökodesign-Richtlinie: Belastung für Bühnen und Theater droht / Europaabgeordneter bringt Antrag zur Ausnahme von Bühnentechnik ins Plenum

BRÜSSEL. Egal ob Schulchor oder Landestheater – immer dann, wenn Kultur auf die Bühne kommt, ist allerlei Beleuchtungstechnik mit im Spiel. Mal hell, mal farbenprächtig, mal als exklusiver Spot – „all das stellt die EU-Ökodesign-Richtlinie in Frage, wenn Sie ab 2020 die strengen Stromsparkriterien auch auf Bühnentechnik anwenden möchte. Das wird gerade für kleinere Bühnen und Theater zum finanziellen Fallstrick“, sagt der Europaabgeordnete Arne Gericke und stellt sich damit auf die Seite der Kulturschaffenden: „Bühnentechnik ist nicht vergleichbar mit Straßenlaternen oder der Nachttischlampe daheim – da muss es spezielle Kriterien geben.“ Gab es bisher auch – und Gericke kämpft dafür, dass es so bleibt. Für die Plenarabstimmung kommenden Donnerstag arbeitet er an einem Änderungsantrag, der alle Beleuchtungsgeräte „nach  EN 60598-2-17“ ausnimmt. Dann bleiben auch die kleinen Bühnen weiterhin im Rampenlicht.

Auf das Problem gestoßen war Gericke durch einen Beleuchtungstechniker im heimischen Mecklenburg-Vorpommern. Der habe ihm während des Aufbaus erzählt, er habe in einer Fachzeitschrift davon gelesen. Gericke hat sich des Themas umgehend angenommen, sofort recherchiert: „Es ist bei großen Gesetzgebungsvorhaben und Kommissionsvorschlägen nicht einfach, alle Detailfolgen im Blick zu haben – umso wichtiger ist es, vor Ort mit denen zu reden, die es betrifft“, erläutert der Europaabgeordnete seinen Ansatz.

Denn, in der Tat: Dem Ökodesign-Arbeitsplan bis 2019 folgend, soll künftig für alle Beleuchtungsgeräte – also auch der Bühnentechnik – „eine Mindesteffizienz von 85 Lumen pro Watt und eine maximale Standby-Leistung von 0,5 W für alle Lichtquellen“ gelten. Viele der aktuellen, gerade in kleinen Theatern, Kulturstätten und Veranstaltungssälen eingesetzten Lampen würden das nicht mehr erfüllen: „Die Folge wäre eine große Investitionspflicht, die gerade kleine Vereine und Kultureinrichtungen so kaum schultern können.“ Zudem, so Gericke, schränkten solche Vorgaben auch die technischen Möglichkeiten auf der Bühne ein: „Man kann mit einer kleinen Taschenlampe kein Flutlicht erzeugen“, so seine Argumentation. Zwar müsse man „nicht sofort alle Lampen wechseln“ – ein Nachkauf einzelner Elemente für bestehende Beleuchtungssysteme aber sei künftig unterbunden. „Dann müssen neue Gesamtsysteme her“ – und das können sich viele Bühnen schlicht nicht leisten“.

Kunst und Kultur, so sagt Gericke, „dürfen nicht dem Diktat der Energieeffizienz unterworfen werden – ihr Stromverbrauch verhagelt keine Energiebilanz. Wir brauchen gerade im Sinn der kleinen Kulturstätten eine weitere Ausnahme der Bühnenbeleuchtung. Alles andere würde nicht die Ökobilanz reduzieren – dafür aber die Zahl kleiner Theater“, sagt Arne Gericke und handelt: Als Vollmitglied im Umweltausschuss arbeitet er an einem Änderungsantrag, der Bühnenbeleuchtung nach „EN 60598-2-17 und IEC 60598-2-17: 2017“ von der Neufassung der Richtlinie ausnimmt. Ein Antrag, der vor allem Theaterintendanten und Bühnentechniker, Schauspieler und zuständige Kulturreferenten in den Kommunen freuen dürfte: „Wenn das klappt, verhindern wir eine Kostenwelle.“

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