Großer Erfolg für Gericke: Kleine Bühnen bleiben im Rampenlicht

Mehrheit für Änderungsantrag: EU-Ökodesign-Richtlinie soll Bühnenbeleuchtung weiter ausnehmen / Keine unnötige Belastung für kleine Bühnen und kommunale Theater / Klare Mehrheit – und eine Zusage des Kommissars

STRASSBURG. Europas Bühnen bleiben im gewohnten Rampenlicht. Mit einer klaren Mehrheit von 330 zu 246 Stimmen hat das Europäische Parlament einem mündlichen Änderungsantrag des Europaabgeordneten Arne Gericke (FREIE WÄHLER) zugestimmt, der bei der Ökodesign-Richtlinie eine weitere Ausnahme der Bühnenbeleuchtung (nach  EN 60598-2-17) verlangt. Eingebracht hatte der mecklenburger Abgeordnete seinen Einwand in letzter Minute, nachdem Bühnentechniker, Bürgermeister und Betreiber kleiner Theater ihn kontaktiert, ihre Sorgen geschildert hatten: „Kleine Bühnen, kommunale Theater können sich nicht einfach mal schnell eine neue Beleuchtungsanlage leisten“, so der Europaabgeordnete. Genau das aber hätten sie nach der Ökodesign-Richtlinie mittelfristig gemusst, da herkömmliche Leuchtsysteme nicht wirklich mit modernen LED-Lampen kombinierbar sind. Gericke selbst sieht damit „die Freiheit der Kunst über das Energiespar-Diktat“ gestellt.

In seiner einleitenden Plenarrede äußerte Gericke im Beisein des zuständigen Umweltkommissars Karmenu Vella „arge Zweifel an der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer Ausdehnung der aufs Energiesparen konzentrierten Ökodesign-Richtlinie aufs Bühnenlicht: Das ist einfach nicht vergleichbar mit Straßenlaternen oder der Nachttischlampe daheim – da muss es spezielle Kriterien geben.“ Neben der Finanznot kleiner Bühnen und zuständiger Kommunen führt der Europaabgeordnete auch die lichttechnische Bandbreite ins Feld: Vieles, was herkömmliche Leuchten heute auf der Bühne abdeckten, sei mit energiesparenden Varianten gar nicht zu machen.

Kunst und Kultur, so sagt Gericke, „dürfen nicht dem Diktat der Energieeffizienz unterworfen werden – ihr Stromverbrauch verhagelt keine Energiebilanz. Wir brauchen gerade im Sinn der kleinen Kulturstätten eine weitere Ausnahme der Bühnenbeleuchtung. Alles andere würde nicht die Ökobilanz reduzieren – dafür aber die Zahl kleiner Theater“, so der Abgeordnete. Dem Ökodesign-Arbeitsplan bis 2019 folgend, sollte künftig für alle Beleuchtungsgeräte – also auch der Bühnentechnik – „eine Mindesteffizienz von 85 Lumen pro Watt und eine maximale Standby-Leistung von 0,5 W für alle Lichtquellen“ gelten.

Dem hat sich das Parlament auf Antrag Gerickes nun erfolgreich entgegengestellt – und auch der Kommissar selbst hat Einlenken signalisiert: In Antwort auf Gerickes Wortbeitrag kündigte auch er eine entsprechende Ausnahme an.

 

Information – Wortlaut des mündlichen Änderungsantrages:

„whereas the existing exemption for stage lighting from the Commission regulations 244/2009 and 1194/2012 has been an appropriate and effective way to respect the special needs and circumstances for theatres and the whole entertainment industry and should be continued”

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